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In Taucha wird gebadet

Und zwar schon lange. Keine Angst, wir wollen nicht in der Urzeit anfangen sondern im Jahr 1881. Den erfreulichen aktuellen Anlass kennen Sie inzwischen aus der Presse, ist doch inzwischen nach zweijähriger Schließung mit der konsequenten Umgestaltung des Bades begonnen worden.

Die Anfänge einer öffentlichen Badeanstalt in Taucha liegen allerdings tatsächlich 125 Jahre zurück. Denn am 30. April 1881 ist im Wochenblatt und Anzeiger für Taucha, Brandis, Nauenhof, Liebertwolkwitz und Umgegend- so die damalige Bezeichnung- im Auszug aus dem Sitzungsprotokoll des Stadtgemeinderates zu Taucha vom 24. März 1881 zu lesen: „Es wird zum Schluss noch die Angelegenheit, Beschaffung eines Badeplatzes für Erwachsene angeregt, die Baudeputation soll diese Angelegenheit nunmehr ernstlich in Angriff nehmen.“ Am 4. Mai wird in der Rubrik >Örtliches und Sächsisches< ausgehend von den Vorzügen des Turnens auf das Schwimmen eingegangen. So schreibt der Redakteur:

„Wird in dieser Leibesübung Maß gehalten, so dürfte wohl keine andere so segensreich für den Körper sein, als gerade das Baden und Schwimmen in fließendem Wasser. Unsere Stadt, die dem Turnen im Allgemeinen so freundlich gesinnt ist, lässt bis jetzt einen den Anforderungen der Gegenwart entsprechenden Badeplatz vermissen. Unsere städtischen Kollegien haben jedoch die Beschaffung eines solchen, Jedermann zugänglichen Badeplatzes für Kinder und Erwachsene in den Kreis ihrer Fürsorge gezogen und Berathungen über den Ort und die Ausführung ge(p)flogen. ... Die Ansprüche, welche an ein öffentliches Bad von den Bewohnern unserer Stadt gestellt werden, sind äußerst bescheiden. Ein von öffentlichen Wegen weit genug entfernter Platz an der Parthe, ein abgegrenzter und untersuchter, vom Schlamm und Unrath freier Grundraum des Flussbettes, vielleicht zwei Zellen mit gedieltem Fußboden für Frauen, Mädchen und solche Erwachsene, welche nicht im offenen Flusse baden wollen und eine kleine Halle zum An- und Auskleiden. ... , der geeignete Platz im Wasser ist nach genauen Messungen und Untersuchungen oberhalb der Wollwäsche gefunden. ... Das Bad soll möglichst so eingerichtet werden, daß die Kinder unter Aufsicht ihrer Herren Lehrer klassenweise baden, außer der Zeit würde für das Baden im Freien sowohl, als in den Zellen eine billige Badetaxe erhoben werden müssen, um die Möglichkeit zu schaffen, einen Mann, der die Aufsicht führt, bestellen zu können. ...“

Es ist heute schon interessant zu erfahren, welche Überlegungen angestellt werden, um ein Bad in der Parthe zu betreiben. Am 21. Mai wird berichtet, dass das Badprojekt seiner Verwirklichung ein bedeutendes Stück näher gerückt ist. Durch die Bemühungen des Stadtgemeinderates darf die Hoffnung gehegt werden, noch in diesem Sommer ein allen Anforderungen in Bezug auf Sicherheit, Zweckmäßigkeit, Schicklichkeit entsprechendes Flussbad benutzen zu können. Im Auszug aus dem Sitzungsprotokoll des Stadtgemeinderates vom 23. Mai wird bekannt gegeben:

„Die Sitzung wird ¼ 8 Uhr vom Vorsitzenden Herrn Bürgermeister Bröse eröffnet und zunächst zu der Angelegenheit, Beschaffung eines neuen Bades im Partheflusse betreffend übergegangen; hierzu wird sich der Stadtgemeinderat nach längerer Berathung schlüssig, fragliches Bad herstellen zu lassen und bewilligt hierzu die Summe von 600 Mark. Alles weitere in dieser Angelegenheit wird der Baudeputation übertragen .....“

Am 16. Juni wird beschlossen, durch eine weitere Deputation ein Regulativ ausarbeiten zu lassen. Schon am 22. Juni wird dasselbe gutgeheißen und genehmigt, außerdem soll es an geeigneten Stellen angeschlagen werden. Und am 25. Juni erfolgt im Wochenblatt und Anzeiger auf der Titelseite eine Bekanntmachung des Bürgermeisters Bröse vom 23. Juni, die da lautet:

„Das Baden im Parthefluß ausserhalb des Stadtbades wird bei Vermeidung von Geldstrafe bis zu 20 Mark oder Haft verboten.“

Die letzte Nachricht zum Bad aus 1881 finden wir im Wochenblatt und Anzeiger vom 10. August, wo zur Sitzung des Stadtgemeinderates u.a. mitgeteilt wird, dass zu einer Eingabe auf Vervollständigung des städtischen Bades beschlossen wird, im laufenden Jahr weiter nichts herstellen zu lassen. Da weder eine offizielle Mitteilung noch ein Bericht zur Eröffnung der ersten öffentlichen Badeanstalt in Taucha vorliegt, ist nur aus der Genehmigung des Regulativs zum Bade vom 22. Juni und dem Verbot des Bürgermeisters vom 23. Juni zu folgern, dass das letzte Datum auch das Datum zur Eröffnung ist. Auf die späteren großen Veränderungen und Umbauten besonders 1924/25 wird heute nicht eingegangen.

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Das Bad wird ausgebaut

1924 wird für das Bad ein Jahr großer Veränderungen. Beginnend am 11. April 1924 wird in der 5. öffentlichen Stadtgemeinderatssitzung beschlossen, die Parthenunterhaltungsgenossenschaft zu ersuchen, die oberhalb des Bades geplante Berichtigung der Parthe im Rahmen des allgemeinen Planes durchzuführen. Die Stadt selbst nimmt davon Anstand, da bereits durch die Erweiterung des Stadtbades für Notstandsarbeiten gesorgt ist. In der nächsten Sitzung am 09. Mai 1924 wird mitgeteilt, dass dieser Erweiterungsbau nach dem genehmigten Plane ohne Verzug zur Ausführung gebracht wird. Die mit 9000 M veranschlagten Kosten werden bewilligt. Dabei ist der Erlös aus dem Landverkauf an Zahntechniker Kube zur teilweisen Deckung dieser Kosten zu verwenden. Außerdem wird wegen des erweiterten Badebetriebes ein Bademeister eingestellt, der im Winterhalbjahr als Schulheizer tätig sein soll.

Der nächste wichtige Beschluss wird am 20. Juni in der 10. öffentlichen Stadtverordnetensitzung gefasst: Der Erweiterungsbau des Stadtbades soll nach dem Vorschlag weitergeführt werden, der die Ausführung weiterer Baulichkeiten empfiehlt. Die dafür benötigten ca. 15.000 M sollen durch eine kurzfristige Anleihe erbracht werden. In der 12. öffentlichen Stadtverordnetensitzung am 11. Juli 1924 wird beschlossen, den mit der Schlammhebung beim Stadtbadbau beschäftigten Arbeitern ab 04. Juli eine Zulage von 15 Pf/Stunde zu zahlen. Des weiteren wird vom Rat vorgeschlagen und zugestimmt, das Stadtbad unter Wegfall der geplanten Trennwände als Familienbad einzurichten. Dabei sind 2 Tage in der Woche für Getrenntbaden von Männern und Frauen vorgesehen, wobei das Bad an diesen Tagen denselben abwechselnd zur Verfügung seht. Schließlich wird der Ankauf einer Turbinenpumpe aus dem Beka-Werk für 340 M genehmigt.

Schwer verständlich aus heutiger Sicht ist, dass im >Anzeiger für Taucha und Umgegend< vom 25. Juli dieser Beschluss zum Familienbad kritisiert wird, einmal weil das Familienbad als Modeerscheinung mit Gaudi-Rummel für die Masse angesehen wird, zum anderen sei es nicht jedermanns Sache, >seine Blößen den suchenden Blicken der Masse preiszugeben<, und letztlich wird eingeschätzt, dass für den Schwimmsport selbst dabei kaum Raum bleibt. Eine weitere Fehleinschätzung folgt hinsichtlich der Eröffnung, da geglaubt wird, dass diese nicht als Familienbad sondern als Familieneisbahn erfolgt.In der 14. öffentlichen Stadtverordnetensitzung am 08. August wird die Badeordnung angenommen, ebenso die Weiterbeschäftigung des Bademeisters nach der Badeperiode im Stadtbauamtsbetrieb. Schon kurz nach der Fehleinschätzung wird am Sonntag, dem 10. August die Eröffnung mit kurzer Feierlichkeit für diesen Tag 9.00 Uhr gemeldet. Dabei sind die Getrennt-Badetage auf dienstags und freitags festgelegt.

Die Eintrittspreise betragen für Erwachsene 20 Pf, für Kinder 10 Pf sowie für Erwerbslose und Bedürftige bzw. deren Kinder 10 Pf bzw. 5 Pf. Das Bad darf nur in Badewäsche betreten werden. Männer und Kinder haben Badeanzüge oder Badehosen mit Beinansatz zu tragen, weibliche Personen über 10 Jahre nur Badeanzüge. Nachmittags findet ein Konzert im Bade statt. Gleichzeitig erfolgt schon der Hinweis, dass das Bad mit einer Größe von ca. 1000 qm Wasser und ca. 4000 qm Freifläche vergrößert werden soll. Verhandlungen zur Nutzung der an das Bad angrenzenden Wiese sind im Gange. Im Bericht über die Eröffnung unter der Überschrift >An der Parthe Strand< erfahren wir, dass herrlichster Sonnenschein diese unter den Bedingungen der Nachkriegs- und –inflationszeit sehr schwierig zu realisierende städtische Maßnahme begleitet. Über 1400 Personen besuchen am Eröffnungstag das neue Freiluftbad. Mit >Gut Nass< wird dem Stadtbad Blühen, Wachsen und Gedeihen gewünscht.

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Das Bad in den Jahren 1966 bis 1971

Am 28. April 1966 wird in der LVZ berichtet, dass das Bad am 15. Mai eröffnet werden kann, weil die „Bäderkommission“ der Stadt Taucha bei ihrer Besichtigung feststellen konnte, dass das Personal unter Leitung des Schwimmmeisters Alfred Sprenger Anlagen und Schwimmbecken in einen einwandfreien Zustand gebracht hat. Es war also eine zusätzliche Kommission notwendig, um etwas eigentlich Selbstverständliches zu prüfen. Zu den im Rahmen des Perspektivplans bis 1970 für die Stadt Taucha zu lösenden Aufgaben/Problemen zum Bad werden folgende genannt: Unter Mithilfe der Kollegen der LPG „Georgi Dimitroff“, des VEB Baustoffkombinats Leipzig-Land und von Feierabendbrigaden sollen die Liegewiese auf rund 7.000 qm erweitert und ein großer Kinderspielplatz gebaut werden. Insgesamt will der Rat des Bezirkes für alle Maßnahmen 100.000 Mark zur Verfügung stellen. Der Umbau soll 1968 beendet werden.

Durch eine Mitteilung des leitenden Schwimmmeisters Funk erfahren wir am 10. Juni 1967 aus der LVZ, dass das Bad bedauerlicherweise in diesem Jahr geschlossen bleibt. Aus staatlichen Mitteln wird 1 Million Mark für den Bau einer Umwälzanlage zur Verfügung gestellt, um künftig die hygienischen Anforderungen zu erfüllen – bei der zu erwartenden weiter steigenden Zahl der Badegäste. Dazu wird ein Maschinenhaus mit ntsprechenden Filteranlagen und drei leistungsfähigen Umwälzpumpen gebaut. Des Weiteren werden die Sprunggrube vertieft, eine Still- und Wickelstube neu errichtet, neue Kabinen gebaut, der Kinderspielplatz und der Verkaufskiosk vergrößert bzw. modernisiert. Bilder und Berichte dokumentieren im Januar und März 1968, dass trotz Winterwetter, Hochwasser und hohem Grundwasserstand zügig weiter gearbeitet wird.

Sozialistische Hilfe leisten die PGH Bau, die zentrale Bauorganisation der landwirtschaftlichen Produktion, der VEB Baustoffkombinat und die Firma Assmann. Für die sechs Filterkessel mit einem Leergewicht von je sechs Tonnen muss eine spezielle Anfahrt vorgerichtet werden. Zwar wird am 1. Juni das Bad (Nichtschwimmerbecken) eröffnet, aber gleichzeitig wird auf noch laufende Bauarbeiten hingewiesen. Am 18. Juni wird der Badebetrieb aus technischen Gründen wieder eingestellt. Offensichtlich sind die Probleme nicht schnell zu lösen, denn am 16. Mai 1969 ist zu lesen, dass „...morgen, am Sonnabend 14 Uhr, das Tauchaer Bad nach zweijähriger Pause wieder geöffnet wird.“ Der Spielmannszug der BSG Traktor eröffnet den Badebetrieb nach Dankesworten von Bürgermeister Wagner. Im Juli soll zu Ehren des 20. Jahrestages der DDR ein Selbstbedienungskiosk fertiggestellt sein.Als Rückblende steht am 24. Mai in der LVZ, dass unter den vielen Helfern aus Betrieben und Schulen auch sowjetische Komsomolzen aus der Garnison „Heiterblick“ mit viel Umsicht und Fleiß wesentlich zur termingemäßen Fertigstellung der Anlagen des Bades beigetragen haben. Ergänzend ist dazu am 29. Juni zu lesen, dass Bürgermeister Wagner berichtet, dass Werte für 270.000 Mark durch Einwohner bei Arbeiten am Stadtbad und 50.000 Mark beim Bau des Kiosks geschaffen wurden. Zum Wahrheitsgehalt der Aussage möchte der Autor vermerken, dass bei Annahme eines nicht zu niedrig angesetzten Stundenlohns zu dieser Zeit von 4,00 Mark 80.000 Stunden für das Bad erbracht worden wären.

Am 23. Mai 1970 ist zu erfahren, dass das große Becken wegen des zu hohen Grundwasserstandes noch gesperrt ist. Dafür kann in diesem Jahr der 3-Meter-Sprungtrum wieder benutzt werden. Zusätzlich verweist der Rat der Stadt auf das Badeverbot in der Dewitzer Kiesgrube. Zur Erheiterung ist am 4. Juli zu lesen, dass auf Vorschlag der Leser das „Schönheitsdiplom“ u. a. an die beiden Tauchaer Schwimmmeister Rainer Funk und Stefan Strobelt verliehen wird. Was es mit einer solchen mit offiziellen Glückwünschen verbundenen Verleihung auf sich hat, ist dem Verfasser nicht bekannt. Am 6. August 1970 erfahren wir, dass Schwimmlagerkurse und –prüfungen für die Jüngsten im Rahmen der Feriengestaltung auf dem Programm stehen, u. a. auch für Gruppen aus Engelsdorf, Jesewitz und Zschepplin. Unter Scheinwerferlicht finden bei verlängertem Badebetrieb Tanzveranstaltungen mit den „Computern 69“ am 14. August und am 4. September statt.

Nur eine kurze Nachricht können wir am 21. Mai 1971 zur Baderöffnung am 22. Mai lesen: „Der Beginn der Badesaison verzögerte sich um eine Woche aufgrund eines Schadens im Maschinenhaus.“ Schließlich wird am 22. Dezember mitgeteilt, dass beim Rat des Kreises Leipzig durch die Leiterin der Fachabteilung Jugend, Körperkultur, Sport und Naherholung mit ihren Mitarbeitern und Schwimmmeistern aus dem Zuständigkeitsbereich die vergangene Badesaison ausgewertet wird.Hier endet die zur Zeit vorliegende Dokumentation zum Stadtbad.

Quelle: Detlef Porzig, Museumsbeauftragter

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